4. KSKD Stützpunkttraining mit Sensei Gerhard Scheuriker in Jockgrim

Von Cassandra Lajko

Zum vierten Mal hatte Sensei Gerhard zum Stützpunkttraining am 15. Mai 2010 in die Grundschulsporthalle Jockgrim eingeladen. Trotz öffentlicher Terminabsprache über Doodle war die Gruppe mit sieben Leuten recht überschaubar. Das hatte aber den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass sich Sensei Gerhard für jeden Einzelnen noch mehr Zeit nehmen konnte als sonst. Es entstand quasi das Gefühl, dass er kaum fünf Minuten weg war und dann schon wieder da stand, still beobachtete oder Tipps und Tricks verriet.

Wie immer fing Sensei Gerhard mit einem einleitenden Theorieteil an. Zur Wiederholung fasste er noch einmal die Schwerpunkte des letzten Stützpunkttrainings zusammen (neutrale Technik, Einführung der Bunkai-Prinzipien und verschiedene Block-Arten).

Dann stellte er das Programm für dieses Stützpunkttraining vor. Das stand zwar auch schon alles auf dem Tags zuvor verschickten fünfseitigen Handout, aber das hatte erstens nicht jeder gelesen und zweitens hilft eine verbale Erklärung mit passenden kleinen Demonstrationen an den richtigen Stellen dem Verständnis manchmal einfach mehr als eine schriftliche Erklärung, auch wenn die Handouts immer sehr detailliert Auskunft geben und super formuliert sind.

Erst mal ein bisschen Theorie

Sensei Gerhard Scheuriker

Für den ersten Teil des Trainings hatte Sensei Gerhard sich die Grundlagen einer guten Position, also eines guten Standes, herausgesucht. Gemeinsam einigten sich alle darauf, dass eine richtige Position sowohl stabil als auch flexibel sein sollte, dem Körper nicht durch falsche Bewegungen und einseitige Belastungen Schaden zufügen sollte und unter dem Strich gesehen natürlich funktional und effektiv sein soll. Um all diese Punkte zu verwirklichen, empfahl Sensei Gerhard die Überprüfung einer Position Schritt für Schritt von unten nach oben. Angefangen bei den Füßen sollten also folgende Dinge beachtet werden:

Die Fußsohlen sollten einen möglichst vollständigen Bodenkontakt haben, denn je größer die Fläche ist, die den Boden berührt, umso größer ist die Reibung und die daraus entstehende Haftung. Auf die Nennung der entsprechenden physikalischen Formeln verzichte ich, Physik gehört nicht unbedingt zu meinen Stärken.

Ein Stückchen weiter nach oben orientiert stellen die Fußgelenke den nächsten Knackpunkt dar - sie sollten nämlich nicht überbelastetet werden. Wieder ein Stück weiter nach oben geblickt kommen die Knie an die Reihe: Augrund ihrer Funktionsweise als Scharniergelenk sollten sie in die gleiche Richtung zeigen wie der dazugehörende Fuß. So werden Fehlbelastungen vermieden und die Innen- und Außenbänder können sich über ein langes, unbeschwertes Leben freuen. Außerdem sollten die Knie nicht zu stark gebeugt werden, also möglichst nicht über den Fuß hinauszeigen, da sonst die Belastung zu groß ist.

Weiter nach oben gewandert gelangten wir zur Hüfte. Diese sollte sich gut ein- und ausdrehen lassen, was unter anderem von der Länge des Standes abhängt. Dieser muss also auf die Hüftbeweglichkeit angepasst werden. Das Becken sollte nach vorne gespannt werden, um die Wirbelsäule möglichst gerade zu halten. Auch hier spielt die Länge des Standes eine Rolle, denn je kürzer wir stehen, umso besser kann das Becken vorgespannt werden. Sensei Gerhard betonte, dass daher jeder für sich selbst die optimale Länge und Höhe eines Standes herausfinden müsse, eine einheitliche Angabe in Winkeln oder Längeneinheiten gibt es nicht.

Nach der theoretischen Erklärung, worauf zu achten ist, ging es an die Praxis. Zuerst versuchte jeder für sich, in verschiedenen Ständen die optimale Position zu finden und dabei genau in den Körper hineinzufühlen. Sensei Gerhard sah sich alles an und veränderte hier und da ein paar größere oder kleiner Details. Später kam dann die Kontrolle durch den Partner, der Druck gab und so die Funktionalität des Ganzen überprüfte. Für die Bewegung von einer Position zur nächsten gelten im Prinzip die gleichen Grundsätze, da diese Bewegung ja in eine Vielzahl aneinander gereihter Positionen zerlegt werden kann.

Nachdem jeder zur Genüge ausprobiert hatte, was für Vor- und Nachteile das Verändern der Position von einzelnen Körperteilen für den Stand hat oder auch nicht, war erst mal eine kurze Pause angesagt. Die wurden hauptsächlich zum Naschen benutzt - an dieser Stelle geht ein herzliches Dankeschön an unsere Muffin- und Kuchenbäcker Silke und David.

Frisch gestärkt ging es mit dem zweiten Teil von Sensei Gerhards Trainingskonzept weiter: dem Bunkai-Training. Jeder sollte sich aus einer beliebigen Kata eine kurze Bunkai-Sequenz erarbeiten und sie mit dem Partner üben. Dabei mussten vier Punkte erfüllt sein:

Erstens musste der Partner richtig und realistisch angreifen.

Zweitens mussten sich beide Partner natürlich verhalten, also zum Beispiel bei einer kontrollierten Kontertechnik nicht so tun, als wäre man völlig schmerzunempfindlich.

Drittens musste die Situation eindeutig beendet werden, mit einem Wurf, Hebel oder einer finalen Schlagtechnik.

Viertens sollten beide der Situation angemessen handeln, beispielsweise keine Techniken ausführen, die beim Partner aufgrund seiner Größe oder seines Gewichts einfach nicht machbar sind.

Natürlich schaute Sensei Gerhard sich wieder jeden genau an und hatte auf Nachfrage immer Verbesserungsvorschläge zur Hand. Als jeder genug gebastelt, probiert und geübt hatte, durfte jedes Team seine Anwendung präsentieren. Gemeinsam wurde dann überlegt, ob alle vier Punkte erfüllt waren und wenn nicht, wo das Problem lag. Mit den Kritikpunkten aus der ersten Runde ging es mit einem neuen Partner aber derselben Bunkai-Sequenz weiter. Je nach geäußerter Kritik wurden Teile geändert, manches musste auch dem neuen Partner angepasst werden. Als Abschluss wurde wieder vorgeführt und gemeinsam besprochen.

David und Paolo in der Anwendung

und noch mehr

Block, Konter, Wurf...

... mit abschließendem Tsuki

Sensei Gerhard erweiterte das Thema dann noch und erklärte, wie in diese Anwendungsbeispiele mehr Varianz eingebaut werden könne - beispielsweise durch verschiedene Blockvarianten des Verteidigers, die Wahl zwischen einem Block auf die Innen- oder Außenseite des Angreifers, einem Ändern der Schrittart, einem Wechsel der Hände, des Tempos oder des Rhythmus und noch viel mehr.

Als gemütliche Schlussrunde bat Sensei Gerhard wie immer um eine kurze Rückmeldung. Wie die letzten Stützpunkttrainings zuvor auch hörte sich die Zusammenfassung des Feedbacks ungefähr so an:

Schön war's, lehrreich war's, Danke schön und bis zum nächsten Mal!


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